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Angebot

Zwischen Befremden und Neugier

Psychodynamische Aspekte einer kultur- und migrationssensiblen Beratung

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft, deren Angehörige eine große kulturelle Vielfalt aufweisen. Psychologische und Psychosoziale Beratung ist demzufolge immer auch eine interkulturelle Begegnung, in der Unterschiede sehr offensichtlich sind und/oder offensichtlich gemacht werden und die Beteiligten vor neue Herausforderungen stellt. Das „Problem“ des Unterschieds beginnt schon mit der Bezeichnung der kulturellen Anderen: Wie werden diese sowohl auf individueller als auch gesellschaftlicher Ebene benannt und welche Bedeutungen werden mit den Bezeichnungen verbunden? Sind es Ausländer? Geflüchtete? Migrant:innen? Menschen mit Migrationshintergrund? Neue Deutsche? Oder Bindestrich-Deutsche, wie Deutsch-Türken, Türkei-Deutsche oder Türken-Deutsche… Und sind es Alte Deutsche? Ethnodeutsche? Herkunftsdeutsche?

Konzept

Wir können jede Begegnung, jede Beziehung nur mit unserer eigenen Vorgeschichte eingehen: Unterschiede in der Beratung, real oder gefühlt, sind auch immer mitkonstruiert. Beratende und Beratungssuchende handeln aus dem eigenen kulturell geprägten Verständnis heraus, das sich meist einer Reflexion entzieht und somit automatisiert oder vorbewusst ist. Auf beiden Seiten werden die Vorstellungen des Anderen im Vergleich zu den eigenen oftmals als „komisch“, „unterschiedlich“, „nicht ganz passend“ erlebt. Um sie verstehbar zu machen, werden einerseits Analogien und Ähnlichkeiten im eigenen Erleben oder in der eigenen Kultur gesucht (gefunden) oder unüberbrückbare Unterschiede postuliert.

Andererseits hat das Erleben eines Migrationsprozesses Auswirkungen auf diese Unterschiede. Es sind transkulturelle Überschneidungssituationen, in denen Fragen des Abschieds und Neubeginns, der Trauer und der Zukunftsfreude sowie der Identität eine Rolle spielen.

 

Wie kann nun das Kulturelle und Migrationsspezifische in den Unterschieden besser verstanden und für die Beratung „nutzbar“ gemacht werden? Das Seminar möchte sich diesem Thema stellen. Ausgehend von theoretischen Inputs zu kultur- und migrationsspezifischen Aspekten und deren Psychodynamik werden anhand von Fallbeispielen die Genese und Dynamik von Unterschieden in der transkulturellen Begegnung sowohl theoretisch als auch praktisch verdeutlicht und sich daraus ergebende methodische Konsequenzen diskutiert.

Zielgruppe

Berater:innen aus Ehe-, Familien-, Erziehungs- und Lebensberatungs-, Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen sowie angehende und niedergelassene psychologische und ärztliche Psychotherapeut:innen
27.03.2023 - 29.03.2023
max. 18 Teilnehmende
385 Euro

Dozent:in(nen)

Inhaltliche Fragen
Martin Merbach030-28395276merbach@ezi-berlin.de
Organisatorische Fragen
Michaela Bärthel030/28 395-270Baerthel@ezi-berlin.de